Nathalie’s Hausgeburt am 29.04.2020

„Ihr seid ja verrückt, dass ihr sowas gemacht habt“ – „Das hätte ich mich nicht getraut“ – „Da könnt ihr aber froh sein, dass nichts passiert ist“ – „Ihr seid aber mutig“…
Diese oder ähnliche Kommentare bekommen wir, wenn wir von unserer Hausgeburt bei unserem 4. Kind erzählen.
Dabei war es für uns – besonders für mich – eine absolute Traum- und Wunschgeburt. Mein Kind zu Hause auf die Welt zu bringen, selbst bestimmt und in Ruhe und Geborgenheit.

Den Wunsch nach einer Hausgeburt habe ich in meiner Schwangerschaft schon sehr früh verspürt. Mein Mann konnte sich das am Anfang auch nicht so richtig vorstellen und stand dem Thema doch erst skeptisch gegenüber. Doch je öfter wir über die Geburt und wie wir beide sie uns wünschen, gesprochen haben, umso mehr konnte auch er sich vorstellen, mich bei der Geburt zu Hause zu unterstützen und zu begleiten.
Wir sind so froh und glücklich, dass wir mit Anke als Hebamme an unserer Seite das Wunder Geburt zu Hause erleben konnten. Anke war schon während der Schwangerschaft ein wichtiger Begleiter, ein Anker und Ruhepol.

Ungefähr ab dem 7. Monat habe ich mich dann mit der Methode „Die friedliche Geburt“ von Kristin Graf auf meine Geburt vorbereitet. Ich lernte Schritt für Schritt wie ich mich tief entspannen und wie mein Mann mich während der Geburt unterstützen kann, um so eine friedliche und positive Geburt zu erleben. Der Partner als Geburtsbegleiter spielt bei dieser Methode eine wichtige Rolle und so haben wir vorab gemeinsam geübt über bestimmte Berührungen und einen individuellen Duft, dass ich mich unter der Geburt tief entspannen kann und einen hypnotischen Zustand erreiche.

Genau drei Wochen (37+0) vor dem errechneten Geburtstermin am 28.04.2020 um 13:45 Uhr begann für uns das Wunder der Geburt. Ich hatte mich mittags zum Ausruhen in mein Bett gelegt und drehte mich gerade von einer Seite auf die andere, als die Fruchtblase platzte. Erst wollte ich es ignorieren – ich hatte doch noch gut 3 Wochen Zeit und ich war doch so unglaublich gern schwanger. Aber nach ein paar Minuten machte ich mich dann doch auf den Weg ins Bad. Es ließ sich nicht leugnen – ich hatte eindeutig einen Blasensprung. Also informierte ich meinen Mann, der sich gerade auf den Weg zur Arbeit befand, dass er wieder heimkommen könnte. Auch Anke rief ich gleich an, die doch erst einen Tag zuvor bei uns war und mit uns alles wegen der Hausgeburt nochmal durchgegangen ist. Die drei großen Kinder haben sich auf den Weg zu Oma und Opa gemacht und ich war irgendwie immer noch überrumpelt, dass es jetzt schon so weit sein soll.

Anke kam dann zu uns und hat 15 Uhr ein CTG gemacht, bei denen leichte Wellen zu erkennen waren. Mir und dem kleinen Mäuschen ging es gut, also ist Anke erstmal wieder los. Da ich die Nacht zuvor nicht gut geschlafen hatte, machte ich es mir so gegen 16 Uhr in meinem Bett gemütlich. Ich setzte meine Kopfhörer auf, die ab diesem Zeitpunkt zu meinem wichtigsten Begleiter wurden. Bei dem Programm „Die friedliche Geburt“ ist eine gesprochene Anleitung für die Geburt enthalten. Diese hilft einem richtig zu atmen und den Körper auf eine entspannte Geburt einzustimmen. Vor allem wird nicht von Wehen, sondern von Wellen gesprochen. Und genau so hat es sich für mich angefühlt. Wie Wellen, die langsam kommen und wieder gehen. Und jedes Mal ein bisschen höher und kräftiger wurden.
Diese Anleitung hörte ich mir dann die nächsten Stunden wieder und wieder an. Jetzt war es tatsächlich so weit. Alles was ich die Wochen zuvor allein und gemeinsam mit meinem Mann geübt hatte, konnte ich jetzt tatsächlich in die Tat umsetzen. Ich habe mich tief entspannt, tief in meinen Bauch geatmet und immer wieder visualisiert, was jetzt in meinem Körper passiert. Ich fühlte mich tief verbunden mit meinem Baby.
Die Wellen kamen anfangs alle 10, 9, dann 8 Minuten. Diese konnte ich prima veratmen und fühlte mich immer wohler und ruhiger. Mein Mann schaute regelmäßig nach mir und hielt telefonisch Rücksprache mit Anke. Als die Wellen dann so alle 5 Minuten kamen, hatte ich mehr und mehr den Wunsch in die Badewanne zu gehen.
Also machte sich Anke auf den Weg zu uns und ich bin gegen 20 Uhr in die Wanne gegangen. Die Wellen konnte ich im Wasser noch besser veratmen, auch wenn ich merkte, dass der Druck zugenommen hatte. Über kurze Berührungen und den Duft Anker – ein ätherisches Öl – konnte ich mit meinem Mann und Anke sprechen, um danach gleich wieder in meinen hypnotischen Zustand zurück zu kehren.

Gegen 22 Uhr bin ich dann mal für kurze Bewegungen aus der Badewanne gegangen. In diesem Moment war ich auch mal ein Stück aus meinem entspannten Zustand raus und merkte in dieser Zeit das erste Mal, wie heftig sich die Wellen bis dahin anfühlten. Das hatte sich bisher für mich nicht so stark und schmerzhaft angefühlt. Und das ich in den letzten Stunden tatsächlich in einer Tiefenentspannung war, zeigte mir ein paar Tage später ein Blick in die Aufzeichnung meines Fitnessarmbandes. Dieses trug ich auch während der Geburt und das Armband hat die Zeit von 16-22 Uhr als Schlafphase, sogar mit einer langen Tiefschlafphase, aufgezeichnet.

Ich setzte meine Kopfhörer schnell wieder auf, um in meinen inneren Raum und meine Tiefenentspannung zurück zu kehren. Ich habe ungefähr 4 Wellen gebraucht, um meinen hypnotischen Zustand wieder zu erreichen. Ich spürte so richtig wie sich mein Kind so langsam auf den Weg machte und wie der Druck nach unten immer mehr zugenommen hat. Jedoch war es immer ein Druckgefühl und kein Schmerz.
Da die Wellen unverändert alle 5 Minuten kamen, bin ich gegen 23 Uhr nochmal aus der Badewanne gegangen, um mich etwas zu bewegen. Ich merkte, dass sich der Druck geändert hatte und dass es mir nicht mehr so leicht viel, in meinem entspannten Zustand zu bleiben und die Wellen zu veratmen.
Nach einer kurzen Ruhepause im Bett, bin ich dann wieder in die Badewanne gegangen. Diesmal ohne Kopfhörer, da ich wusste das es nicht mehr lange dauern wird, bis unser Kind geboren wird.
In der Wanne passierte dann ein Stückchen nichts und dann war es soweit. Anfangs traute ich mich tatsächlich nicht so richtig mitzuschieben, aber nach aufmunternden Worten von Anke, kam unsere kleine Nathalie früh am 29.04.2020 um 00:20 Uhr ganz friedlich im Wasser zur Welt.

Genauso wie ich es mir gewünscht und die Wochen zuvor immer wieder vorgestellt hatte. Da war sie – unser kleines Mädchen. Sie lag auf meiner Brust und machte ihre ersten zarten Atemversuche. Ganz zusammengerollt, so wie sie kurz vorher noch in meinem Bauch war, hielt ich sie jetzt in meinem Arm. Ganz zart und klein war sie, voll mit Käseschmiere und einer frechen, rote Zunge, die sie immer wieder rausstreckte. Noch waren wir beide über die Nabelschnur verbunden, die wir, wie wir es uns gewünscht hatten, auspulsieren lassen konnten.

Und wir waren zu Hause. In einem kuschligen, warmen Badezimmer, in dem vorher mein Mann und Anke geschwitzt haben, lag ich jetzt mit Nathalie und konnte sie das erste Mal ohne Probleme anlegen. Wir waren sicher, geborgen und alles fühlte sich so friedlich, eben genau richtig an.
Nathalie und ich, haben uns die Zeit für unsere Geburt genommen, wie wir sie gebraucht haben. Ich konnte mich von meiner Schwangerschaft verabschieden und Nathalie konnte sich in ihrem Tempo, ohne Druck und Zwang von außen, auf ihren Weg in diese Welt machen.
Zu dritt kuschelten wir uns dann gegen 03:30 Uhr in unser Bett – überglücklich und unglaublich dankbar.

Es war für mich so ein wundervolles, kraftvolles Erlebnis diese Geburt selbstbestimmt zu Hause zu erleben. Begleitet von meinem Mann und Anke, als unsere Hebamme.

Nicole und Michel Bauch